Zurück zu den alten Flugrouten …

 

… oder „back to the routes!“ fordern die Flugrouten-Initiativen. Und sie meinen damit, dass gemäß dem Planfeststellungs-Szenario entlang der gezeichneten Linien geflogen werden soll. Aber dieses Szenario hat bestimmte Flugrouten nur vorgetäuscht. In Wahrheit steht im Planfeststellungsver­fahrens-Text:

 

10.1.8.1.5 Festlegung der An- und Abflugwege

Die verbindliche Festlegung der An- und Abflugverfahren geschieht durch Rechtsverordnung (§ 27 a LuftVO) und wird erst kurz vor Betriebsbeginn der neuen Start- und Landebahn erfolgen. Zuständig sind das Luftfahrt-Bundesamt und bei Eilbedürftigkeit die Flugsicherung. Aufgrund der §§ 29 b Abs. 2 und 29 Abs. 1 LuftVG ist auch bei der Festlegung der An- und Abflugrouten dem Schutz der Bevölkerung vor Fluglärm Rechnung zu tragen. Eine Regelungsmöglichkeit im Planfeststellungsbeschluss ist mangels Zuständigkeit der Planfeststellungsbehörde, aber auch unter sachlichen Gesichtspunkten wegen der Notwendigkeit der Integration der An- und Abflugwege in das überregionale Netz nicht gegeben.

 

 

 

Das haben viele gut informierte Flughafen-Gegner gewusst: Die Menschen beim BVBB, die Menschen in der Gemeinschaft der freien Kläger um Rechtsanwalt Frank Boermann, die engagierten Menschen in der  Schutzgemeinschaft der Umlandgemeinden und der Fluglärmkommission ebenso wie bei­spiels­weise die engagierten Eltern, die den schalldämmenden Umbau der Mahlower Astrid-Lindgren-Grundschule mit begleitet haben.

 

Wir wissen heute durch die Veröffentlichung eines Briefes aus dem Jahr 1998, dass schon in einer frühen Planungsphase aus Gründen der Flugsicherheit die Notwendigkeit für abknickende Flugrouten bekannt war. Etwas später gelangte noch ein zweiter Brief an die Öffentlichkeit, in dem der damalige Flughafen-Chef Götz Herberg den Bundesverkehrsminister bat, die DFS anzuweisen, dass sie nicht weiter auf die Notwendigkeit des Abknickens beim Start hinweist. Er wollte das Planfeststellungsverfahren für den Flughafen schneller und unkomplizierter über die Bühne bekommen. Die Politiker aber haben sie nicht in die Karten eingezeichnet, um die Wahrheit über die üblen Folgen nach dem Bau des BBI zu verschleiern und den Widerstand gegen dieses unmenschliche Unsinnsprojekt gering zu halten.

 

Viele, die sich vor dem Kauf eines Eigenheims in der Umlandregion beim Flughafen erkundigt hatten, standen dann vor den Karten mit den für sie harm- und folgenlosen Geradeaus-Strecken und den verschiedenfarbig eingezeichneten Isophonen. Sie verließen sich unkritisch und blauäugig auf das, was ihnen da an eingegrenzter Betroffenheit vorgegaukelt wurde.

 

Nachdem die DFS am 6.9.2010 ihre erste Planung mit den abknickenden Routen vorgestellt hatte, sich die jetzt sogenannten „Neubetroffenen“ ihrer Lage und der Lüge der Politiker bewusst wurden, der sie auf den Leim gegangen waren, entstand in der Flughafen-Region zwischen Erkner und Potsdam und dem Süden Berlins eine riesige Protestwelle.

 

Statt nun aber die Regierenden in die Wüste zu jagen, wie sie es zur Strafe verdient hätten, entschlos­sen sich die Flugrouten-Gegner dazu, politisch dafür zu kämpfen, dass die Lüge der Politiker zur Wahr­­heit und zu ihrem Recht werden muss. Sie versuchen, die Lärmbündelung rücksichtslos in einem Flug­korridor auf Kosten und zu Lasten der Menschen entlang der Einflugschneisen durchzusetzen.

 

Sie machen diese Menschen dadurch zu doppelten Opfern, die außer dem Landanflug auch noch die Starts ertragen sollen. Sie sollen durch den permanenten Überflug ohne Lärmpausen einer Belastung ausgesetzt werden, von der Luftfahrtexperten wie Dieter Faulenbach – da Costa wissen, dass sie absolut inhuman ist, weil sie die dort in dichter Besiedlung lebenden Menschen krank machen wird. Und wenn der Lärm nicht verteilt werde, so schreibt er in seinem Gutachten für die Schutzgemein­schaft der Umlandgemeinden, so müssten die Menschen dort abgesiedelt werden, denn dann sei das kein Lebensraum mehr.

 

Gemäß ihrer Verfassung ist die Bundesrepublik Deutschland ein sozialer Rechtsstaat. Sozial wird dieser Rechtsstaat durch das Prinzip der Verteilungsgerechtigkeit. So sind nahezu alle geschäftlichen Vorgänge steuer- und manche sogar sozialabgabenpflichtig. Der Staat sammelt Gelder ein und gibt sie den Bedürftigen. Die Arbeitnehmer finanzieren aus ihren Löhnen und Gehältern die Rentner und die Arbeitslosen. Alle gesunden Krankenversicherten zahlen für die Kranken. Sogar die finanziellen Lasten, die die verantwortungslosen Casino-Banker durch die Zerrüttung des weltweiten Finanzsystems in Milliardenhöhe aufgetürmt haben, werden vom Kollektiv der Steuerzahler geschultert.

 

Aber der Lärm und die enorme Schadstoffbelastung des BBI soll ganz entgegen des sonst herrschen­den Prinzips alleine den nächsten brandenbur­gischen Anrainer-Gemeinden und den betroffenen Ost-Berlinern aufgebürdet werden.

 

Warum soll diesmal anders verfahren werden?  Die Neubetroffenen, oder wie es der Abgeordnete des brandenburgischen Landtags Christoph Schulze so treffend ausdrückte, „die ahnungslosen Altbetroffenen“ aus den nobleren Bezirken Berlins, haben einen nicht zu unterschätzenden Vorteil: Sie gehören der richtigen politischen Klientel an. Nach nur sieben Wochen Kampag­ne wurde ihre Anführerin, Frau Dr. Marela Bone-Winkel, vom damaligen  Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) empfangen, der ihr sein gefälliges Ohr lieh. Er verfügte, dass die DFS neue Routen zu planen und dabei möglichst den Geradeaus-Flug zugrunde zu legen habe. Die Neubetroffenen könnten sich auf den „Öffentlichen Glauben“ berufen und hätten Vertrauensschutz.

 

Während im normalen Leben Unwissenheit nicht vor Strafe schützt, leben wir inzwischen wieder in Zeiten, in denen das für gewisse Kreise völlig folgenlos ist. Naivität, Blauäugigkeit und Kritiklosigkeit ist statthaft selbst für Akademiker aus Wannsee, Zehlendorf und Kleinmachnow. Aber die Mahlower Bäckereiverkäuferin und der Blankenfelder Busfahrer, - die sollen angeblich alles gewusst haben und sich über die Jahre ausgekannt haben in dem, was ein Raumordnungsverfahren, ein Planfeststell­ungsverfahren, ein gescheitertes Privatisie­rungsverfahren und diverse komplizierte Gerichtsverfahren zum BBI für ihr Leben bedeuten?

Die Flugrouten wurden nun doch so festgesetzt, dass auf der Nordbahn sowohl geradeaus gelandet wird (was immer notwendig ist, wegen des Landeanfluges auf einem Leitstrahl, Einschwenken auf den Leitstrahl in Höhe von Ludwigsfelde) und auch geradeaus gestartet wird. Mahlow-Kern würde also doppelt belastet. Dagegen hat die Gemeinde geklagt und in einem Teilaspekt recht bekommen. In der Zeit von 22:00 bis 6:00 Uhr darf auf der Nordbahn nicht geradeaus gestartet werden, sondern es muß nach Norden hin um 15° abgeknickt werden. Diese neue Flugroute ist von der DFS neu zu entwickeln.

Aber auch wenn die Nordbahn von startenden und landenden Flugzeugen am Tag ohne Lärmpause benutzt wird, so ist nicht alles verloren. Wenn die Belastung zu viel wird, können wir Betriebsbeschränkungen oder auch am Tag das Abknicken nach Norden fordern. Wir werden weiter entlang der Schneise an strategisch wichtigen Punkten Fluglärm-Messstationen installieren, Daten erheben, um gut begründen zu können, ab wann genug eben genug ist.

 

Mahlow-Kern ist nur dann verloren, wenn wir aufgeben, um unsere Lebensqualität notfalls auch mit viel Geduld und Nachhaltigkeit und über einen längeren Zeitraum hinweg zu kämpfen.

 

Flugrouten sind nichts Fixes wie Eisenbahn-Gleise oder Autobahn-Pisten. Sie sind ganz leicht durch eine neue Rechtsverordnung des BAF zu ändern. Sie haben alles andere als einen Ewigkeitswert, sondern in Deutschland ohnehin eine eher geringe Haltbarkeitsdauer. Und je unsinniger sie sind, desto kürzer ist ihre Halbwertszeit.

Und einem politisch gewollten, willkürlichen und den Berliner Wahlkampf geschuldete Flugrouten-Lösung im Sinne Berlins zu befördern, kann keine lange Lebensdauer beschieden sein.

 

 Jedenfalls haben auch die Bewohner Blankenfelde – Mahlows das Recht, Entlastungen auch für sich zu fordern. Auch wir haben ein Recht auf Lebensqualität, Gesundheit und Zukunft.

 Und wir haben dieses Recht hier und heute! Morgen und in der Zukunft! Wir werden uns an diesem Ort behaupten, weil wir unser Leben hier lieben!!!